60-Sekunden-Zusammenfassung
Nachhaltigkeit hat sich zu einer strategischen Priorität für Logistik- und Lagerunternehmen in Deutschland und der DACH-Region entwickelt. Kunden erwarten grünere Lieferketten, Investoren fordern transparente ESG-Berichterstattung, und der regulatorische Rahmen – von der CSRD bis zum Energieeffizienzgesetz (EnEfG) – wird kontinuierlich verschärft. Doch ESG ist weit mehr als Compliance oder Öffentlichkeitsarbeit. Wenn ESG sinnvoll in die Geschäftsstrategie integriert wird, kann es operative Effizienz steigern, langfristige Risiken reduzieren, qualifiziertes Personal trotz anhaltendem Fachkräftemangel gewinnen und Ihr Unternehmen dauerhaft wettbewerbsfähig positionieren.
Klare Nachhaltigkeitsziele und Kennzahlen festlegen
Das Festlegen konkreter, messbarer Nachhaltigkeitsziele bildet das Fundament einer erfolgreichen ESG-Strategie (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung). Gerade für viele Logistikunternehmen – insbesondere im Mittelstand – besteht die Herausforderung darin, den richtigen Einstiegspunkt zu finden.
Fokus auf die wesentlichen Hebel
Beginnen Sie damit, Ihre Ziele auf die Bereiche mit dem größten Wirkungspotenzial in Ihrem Betrieb auszurichten. Für Logistik- und Lagerunternehmen in Deutschland sind dies typischerweise CO₂-Emissionen, Energieverbrauch, Verpackungsabfälle, Flotteneffizienz und die Energieleistung des Lagers. Beispielziele könnten sein:
- Erreichen von Netto-Null bei Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis 2040, im Einklang mit den deutschen Klimazielen
- Umrüstung von 50 % der Lieferflotte auf Elektro- oder emissionsarme Fahrzeuge bis 2030
- Reduzierung des Energieverbrauchs je Quadratmeter Lagerfläche um 25 % innerhalb von fünf Jahren
Die Verknüpfung Ihrer Ziele mit regulatorischen Anforderungen – etwa den verbindlichen EU-Klimazielen für 2030 und 2050 – gewährleistet, dass Ihre Strategie dauerhaft relevant bleibt. Unternehmen mit einem jährlichen Endenergieverbrauch von mehr als 7,5 GWh sind nach dem deutschen Energieeffizienzgesetz (EnEfG), das im November 2023 in Kraft getreten ist, zur Einführung eines Energiemanagementsystems gemäß ISO 50001 oder EMAS verpflichtet. Zu verstehen, wo Ihr Betrieb innerhalb dieses Rahmens steht, ist ein entscheidender erster Schritt.
Phasenweise und realistisch vorgehen
Definieren Sie Zwischenziele, um Fortschritte sichtbar zu machen und den Schwung aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel:
- Kurzfristig (1–2 Jahre): Umrüstung der Lagerbeleuchtung auf LED; Installation von Photovoltaikanlagen auf Dachflächen
- Mittelfristig (3–5 Jahre): Umstellung der Hälfte der Lieferflotte auf Elektro- oder Wasserstofffahrzeuge; Einführung eines ISO-50001-zertifizierten Energiemanagementsystems
- Langfristig (6–10 Jahre): Vollständige Elektrifizierung der Last-Mile-Logistik und Erlangung der DGNB Gold- oder Platinzertifizierung für Ihre Hauptlogistikstandorte
Die Ziele sollten ambitioniert, aber erreichbar sein. Unrealistische Vorgaben riskieren die Enttäuschung von Stakeholdern und den Vorwurf des Greenwashings – besonders schädlich im vertrauensorientierten deutschen Mittelstandsumfeld.
ESG-Leistung messen und berichten
Was nicht gemessen wird, kann nicht gesteuert werden. Robuste Datenverfolgung und transparente Berichterstattung sind entscheidend, um Fortschritte zu belegen und das Vertrauen von Kunden, Investoren und Behörden zu gewinnen.
Die richtigen ESG-KPIs auswählen
Die passenden ESG-Kennzahlen hängen von Unternehmensgröße, Struktur und operativem Schwerpunkt ab. Typische Logistik-KPIs für den deutschen Markt umfassen:
- CO₂-Emissionen je Lieferkilometer (Scope 1, 2 und 3)
- Energieverbrauch je Quadratmeter Lagerfläche (kWh/m²)
- Anteil der mit Elektro- oder emissionsarmen Fahrzeugen zurückgelegten Flottenkilometer
- Anteil recycelter oder wiederverwendbarer Verpackungsmaterialien
- Beteiligungsquote der Mitarbeitenden an Nachhaltigkeitsschulungen
Digitale Hilfsmittel – darunter WMS-Plattformen, intelligente Energiezähler und IoT-gestützte Gebäudemanagementsysteme – ermöglichen die Erfassung von Echtzeit-Daten und erleichtern die jährliche Berichterstattung.
Standards und Rahmenwerke nutzen
Die Nutzung anerkannter ESG-Berichtsrahmen gewährleistet Konsistenz, Glaubwürdigkeit und Vergleichbarkeit – unverzichtbar bei der Teilnahme an Ausschreibungen oder der Sicherung von Finanzierungen im deutschen Markt:
- TCFD (Task Force on Climate-related Financial Disclosures)
- GRI (Global Reporting Initiative) – weit verbreitet bei deutschen Unternehmen
- SBTi (Science-Based Targets initiative) – validiert von führenden deutschen Industrieunternehmen, darunter Siemens Healthineers
- CSRD / ESRS
Die EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung führt gestufte Berichtspflichten ein: Welle-1-Unternehmen (große, börsennotierte, >500 Mitarbeitende) berichten bereits für das Geschäftsjahr 2024; Welle 2 (andere Großunternehmen) ab GJ 2027; Welle 3 (börsennotierte KMU) ab GJ 2028. Rund 15.000 deutsche Unternehmen sind betroffen – gegenüber ca. 500 unter der Vorgängerrichtlinie NFRD.
Lager, die Plattformen wie OPEX® RPM® (Remote Performance Monitor) einsetzen, können Maschineneffizienz, Stromverbrauch und Systemverfügbarkeit verfolgen – für präzise ESG-Daten und kontinuierliche operative Optimierung. Erfahren Sie mehr über Nachhaltigkeit in der Lagerautomation.
Mitarbeitende und Stakeholder in Nachhaltigkeitsinitiativen einbinden
ESG-Prinzipien verankern sich von innen nach außen. Anordnungen von oben greifen nur, wenn die Belegschaft wirklich eingebunden ist. Engagierte Mitarbeitende bringen eher eigene Ideen ein, nehmen neue Prozesse an und treiben Ihre Nachhaltigkeitsziele aktiv voran.
Informieren und befähigen
Vermitteln Sie Ihrer Belegschaft klare Orientierung und Schulungen zu Ihrer ESG-Strategie. Bieten Sie Workshops zu nachhaltigen Lagerpraktiken, Flottendekarburierung und verantwortungsvoller Beschaffung an. Nicht jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ist ein Umweltexperte – das ist in Ordnung. Gestalten Sie Schulungen so, dass Nachhaltigkeit für die jeweilige Rolle konkret und relevant wird.
Erwägen Sie, abteilungsübergreifende ESG-„Champions“ zu benennen, die Peer-to-Peer-Engagement fördern und lokale Initiativen voranbringen – etwa Recyclingprogramme oder interne Energieaudits.
Verantwortlichkeiten schaffen
Verknüpfen Sie ESG-Leistung mit Abteilungszielen und fördern Sie bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Beispielsweise können Lagerbetrieb und Einkauf gemeinsam umweltfreundlichere Verpackungslösungen auswählen und retourenbedingte Abfälle reduzieren.
Fördern Sie Verbesserungsvorschläge aus der Belegschaft und kommunizieren Sie Nachhaltigkeitserfolge transparent in der internen Kommunikation.
Stakeholder einbeziehen
Lieferanten, Partner und Kunden können Ihre ESG-Ziele erheblich verstärken. Beziehen Sie wichtige Supply-Chain-Partner frühzeitig in Ihre Strategieentwicklung ein und vereinbaren Sie gemeinsame Nachhaltigkeitserwartungen. Initiieren Sie Pilotprojekte – etwa emissionsarme Lieferzonen im urbanen Logistikbereich oder Closed-Loop-Verpackungssysteme.
Logistikdienstleister und 3PLs wie Bleckmann haben bereits gezeigt, wie RFID-integrierte Sortiersysteme die operative Effizienz verdoppeln und eine grünere Last-Mile-Logistik unterstützen können.
Nachhaltigkeit in Beschaffung und Lieferkettenbeziehungen verankern
Grüne Beschaffung wird zum Rückgrat von ESG in der Logistik. Ihr Betrieb ist nur so nachhaltig wie die Materialien, die Sie beziehen, und die Partner, auf die Sie sich stützen.
Nachhaltige Beschaffungsrichtlinien etablieren
Entwickeln Sie einen Verhaltenskodex für Lieferanten mit klaren ESG-Kriterien, zum Beispiel:
- CO₂-Berichterstattung und Reduktionspläne
- Arbeitspraktiken und ethische Beschaffung
- Verpackungsminimierung und Recyclingfähigkeit
- Lebenszyklusanalysen für Produkte
Integrieren Sie diese Standards von Beginn an in Angebotsanfragen und Vertragsverhandlungen.
Kreislaufwirtschaft gemeinsam gestalten
Identifizieren Sie Möglichkeiten, gemeinsam mit Partnern Kreislauflösungen zu entwickeln. Zum Beispiel:
- Einführung von Mehrwegtransportbehältern und -containern
- Verpackungsdesign auf Wiederverwendbarkeit und Minimalismus ausrichten
- Partnerschaft mit Anbietern, die Rücknahme- und Recyclingprogramme anbieten
Automatisierung spielt hier eine bedeutende Rolle. Systeme wie Sure Sort® X with Xtract™ ermöglichen präzise Sortierung und integrierte Entnahme und reduzieren so den Bedarf an manuellem Umpacken und überschüssigen Sekundärverpackungen.
Lokale und emissionsarme Lieferanten bevorzugen
Regionale Beschaffung reduziert transportbedingte Emissionen und stärkt die wirtschaftliche Resilienz entlang der wichtigsten deutschen Logistikstandorte – Hamburg, Bremen, das Rhein-Ruhr-Gebiet, München und Stuttgart.
Beziehen Sie dort, wo sinnvoll, „Transportkilometer“ und nachhaltige Lieferoptionen als Bewertungskriterien in Ihre Lieferantenbeurteilung ein.
Beziehen Sie dort, wo sinnvoll, „Transportkilometer“ und nachhaltige Lieferoptionen als Bewertungskriterien in Ihre Lieferantenbeurteilung ein. Regionale Beschaffung verringert zudem die Anfälligkeit gegenüber geopolitischen Lieferkettenrisiken, von denen viele europäische Logistikbetriebe in den vergangenen Jahren betroffen waren.
Geringere Betriebskosten durch reduzierten Energieverbrauch, höhere Effizienz und weniger Ressourcenverschwendung
Höhere Kundenbindung, insbesondere bei Marken und Händlern mit eigenen ESG-Verpflichtungen
Verbesserter Zugang zu Finanzierungen und öffentlichen Ausschreibungen, bei denen ESG-Nachweise als Auswahlkriterium herangezogen werden
Gestärkte Resilienz und besseres Risikomanagement durch zukunftssichere Systeme und Lieferketten
Fazit: Aus Verpflichtung wird Handlung
Für Logistik- und Lagerunternehmen in Deutschland und der DACH-Region ist ESG kein eigenständiges Projekt und kein CSR-Anhängsel mehr. Es wird zum Kern des unternehmerischen Handelns, der Entscheidungsfindung und des Wettbewerbs um Kunden, Kapital und Talente.
Die Integration von ESG in Ihre Strategie erfordert keine sofortige Perfektion. Sie verlangt aber klare Ziele, transparente Berichterstattung, echte Stakeholder-Einbindung und konsequentes Handeln in Beschaffung und Betrieb. Beginnen Sie mit den Bereichen mit dem größten materiellen Einfluss, setzen Sie messbare Meilensteine und skalieren Sie, was funktioniert.
Stellen Sie sich bei der Entwicklung Ihrer nächsten Betriebs- oder Investitionsplanung die Frage: Wie trägt diese Entscheidung zu unseren ökologischen, sozialen und Governance-Zielen bei? Und wie positioniert sie uns für die Logistiklandschaft von morgen?
Denn wer ESG heute führt, wird die Logistikbranche von morgen gestalten.
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Machen Sie Nachhaltigkeit zu einem Treiber Ihres wirtschaftlichen Erfolgs. Ob Sie Ihre Ziele definieren, Ihre Lieferkette überprüfen oder erkunden, wie Automatisierung Sie bei der Erreichung Ihrer ESG-Ziele unterstützen kann – wir sind Ihr Partner.
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